Die Schlösser-Tour in der Stuttgarter Zeitung

Weikersheim - Dass das Schloss Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) über eine Vielzahl wunderbarer Stuckdecken verfügt, verdankt es im Wesentlichen einem Mordfall, der sich in der frühen Neuzeit zugetragen hatte. Gier nach Gold, Betrug und Eifersucht sind wesentliche Bestandteile dieses ungewöhnlichen Kriminalfalls. Als Graf Wolfgang II. von Hohenlohe im Jahr 1586 das Schloss Weikersheim bezog, brachte er nicht nur den festen Willen mit, die damalige Wasserburg zu einem Renaissanceschloss auszubauen. Er hatte auch seine alchemistische Ausrüstung im Gepäck und war von dem Wunsch beseelt, Gold selbst herzustellen.

Dies lockte die zwielichtige Gestalt Michael Polheimer ins Taubertal. "Ich kann Gold herstellen", teilte er dem Burgherrn mit. Allerdings müsse Wolfgang ihm 300 Gulden zur Verfügung stellen, damit er die nötigen Utensilien besorgen könne. Polheimer nahm das Geld und suchte das Weite. Wolfgang ließ daraufhin wutentbrannt nach dem Betrüger fahnden. Auf dem Steckbrief hieß es, dass er an seinem Spitzbart gut zu erkennen sei und auch daran, dass er bayerisch spreche. Und tatsächlich: Polheimer wurde in Nürnberg gefasst und nach Weikersheim gebracht.

Statt den Betrüger mit dem Tode zu bestrafen, verdonnerte der Graf ihn zu zwölfjähriger Zwangsarbeit als Schreiber im Schloss. Bereits nach kurzer Zeit genoss Polheimer große Freiheiten und durfte unter anderem die Burg verlassen, um in die umliegenden Städte und Dörfer zu gehen. Bei einem seiner Ausflüge verliebte er sich in die schöne Sonnenwirt-Tochter. Doch auch der Kalkschneider Gerhard Schmidt hatte ein Auge auf das Mädchen geworfen. In seiner Eifersucht erstach er eines Nachts seinen Rivalen. Auch dieses Mal ließ der Graf, nicht ganz uneigennützig, Gnade vor Recht ergehen. Statt den Mörder hinzurichten, verurteilte er ihn ebenfalls zu zwölfjähriger Zwangsarbeit.

Wolfgang, der gerade seine Burg zu einem Schloss ausbauen ließ, konnte einen so guten Kalkschneider wie Gerhard Schmidt sehr gut gebrauchen. Von der Hand des Mörders stammen all die wunderbaren Stuck-Kalkschneiderarbeiten, für die das Weikersheimer Schloss bekannt ist. Als es im Weikersheimer Schloss keine Arbeit mehr für Schmidt gab, lieh ihn der Graf aus. So handelt es sich auch bei den Stuckdecken auf der Karpfenburg um Arbeiten von Gerhard Schmidt. Nach sieben Jahren hat Graf Wolfgang den Kalkschneider schließlich vorzeitig aus der Zwangsarbeit entlassen.

Monika Menth, Verwalterin auf Schloss Weikersheim, nutzt diese spannende Historie für interessante Sonderausstellungen und ­führungen. So informiert eine Dauerausstellung anhand der historischen Gerätschaften des Grafen Wolfgang über Alchemie im 16. Jahrhundert. Kinder und Erwachsene können sich im Rahmen der Themenführung "Dem Täter auf der Spur" auf anschauliche Weise mit dem Leben und Arbeiten auf dem Schloss zur damaligen Zeit auseinander setzen.

Schloss Weikersheim ist besonders durch seinen barocken Schlosspark bekannt, der nach dem Vorbild der Anlage in Versailles angelegt wurde. Da das Schloss über Jahrhunderte unbewohnt war und die Eigentümer, das Fürstenhaus von Hohenlohe, das Inventar nicht ausräumten, ist die Inneneinrichtung nahezu vollständig erhalten geblieben. Das Schloss spiegelt somit das Alltagsleben von Landadeligen im 17. und 18. Jahrhundert wieder. Mit 100.000 Besuchern im Jahr ist das Weikersheimer Schloss die am viertbesten besuchte Schlossanlage in Baden-Württemberg.

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