Schloss Weesenstein Schlosskapelle Querhaus

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Historische Putze

Schlosskapelle / Querhaus


Zielstellung

Bild 1

Nach häufigen Umbauten am Schloss ist es notwendig, Aussagen über die angebrachten bzw. verarbeiteten Putze am Objekt zu erstellen. Die Fragestellung beinhaltet im Weiteren: Ist der vorhandene Außenputz im heutigen Zustand zu erhalten und wie lange wird dieser seiner Funktion als Fassadenschutz gerecht?

Im Bild 1 sind folgende Fassadenteile angegeben:

  1. Querhaus SW – Seite
  2. Querhaus SO – Seite
  3. Schlosskapelle SW – Seite


Historischer Nachweis

Im Juni 1741 wurde die Schlosskapelle im heutigen Zustand fertiggestellt und erhielt in seiner barocken Fassung ihre feierliche Weihe. Erneute Umbaumaßnahmen sind in den kommenden Jahren immer wieder durchgeführt wurden. Hier sind im Besonderen die Jahre 1838 bis 1873 und das Jahr 1964 zu nennen.

Prinz Johann, ab 1854 König von Sachsen, veranlasste zahlreiche Umbauten und Erneuerungen am Schloss. In dieser Zeit erhielt das Schloss einen repräsentativen Charakter. Im Jahr 1870 übergab König Johann von Sachsen die Kapelle an die Bürger des Ortes. Eine vorherige Sanierung der Fassade ist nicht auszuschließen. Ein Nachweis kann dafür aber nicht erbracht werden.

1964 wurden die Fassadenteile 2 und 3 saniert und farblich neu gefasst.

Bildnachweis

Bild 2 Jahr 1964
Bild 2

Gerüstgrenzen 1964

Bild 3 Jahr vor 1964
Bild 3
  • (3.1) Farbliche Fassung
  • und Putzschäden
  • (3.2) in den Jahren vor 1964.
  • Diese Aufnahme stammt vermutlich aus der Zeit um 1949.
Putzsegmente
Bild 4
  • Putzsegmente
Putzprobe WE_M1
Bild 5
  • Putzprobe WE_M1
Putzprobe WE_M2
Bild 6
  • Putzprobe WE_M2
Oberflächenbehandlung
Bild 4
  • Oberflächenbehandlung


Putz Beurteilung

Die Untersuchung wurde gegliedert in vier Putzsegmente. Bild 4

Putzsegment 1

Das Putzsegment 1 beinhaltet den ältesten Anteil der Putze und ist in einem stark desolaten Zustand. Dieser Teil wurde bei der Sanierung 1964 nicht berücksichtigt. Das Erhalten oder Sanieren dieser Putzfläche kann nicht empfohlen werden. Auch ein Festigen ist in diesem Fall nicht möglich. Große Teile der noch vorhandenen Putzflächen sind vom Mauerwerk gelöst und vom Regen ausgewaschen.

Putzsegment 2 u. 3

In diesem Bereich der Fassade wurden Putzproben entnommen. Diese Proben entsprechen der Putzprobe WE_M2 Bild 5. Der untersuchte Kalkmörtel enthält neben Sand einen hohen Anteil gröberer Zuschlagstoffe. Die Zuschlagstoffe sind von einer sehr hellen Kalkschicht umkleidet, was einen hohen Bindemittelgehalt dokumentiert. Das Putzgemenge ist sehr ungleichmäßig vermischt und entspricht in seiner Korngröße einem historischen Putz aus dem 19 Jahrhundert. Die Oberflächen wurden bei der Sanierung 1964 teilweise überzogen bzw. ergänzt. (ca. 40%) Im Allgemeinen sind diese Putzsegmente stark beschädigt und auf der Oberfläche durch Wasser ausgewaschen. Aus Sicht der Deckmalpflege sind Teile des Putzsegments 2 zu erhalten. (ca. 30%) Der Einsatz von Werkmörteln, die zur Sicherung des maschinellen Verputzens Zusätze enthalten und hinsichtlich der Zuschlagstoffkorngrößen und Bindemittel nicht so variierbar sind, ist bei historischen Putzergänzungen problematisch. Sorgfältig und fachgerecht hergestellter Baustellenmörtel wird empfohlen.

Putzsegment 4

Im Putzsegment 4 handelt es sich im überwiegenden Teil um Putze der Putzprobe WE_M1, diese stammen aus der Sanierung von 1964. Dieser Putz haftet gut auf dem Untergrund, ist aber an seiner Oberfläche stark sandig. Die Oberflächenbehandlung erfolgte durch Verreiben und Filzen mit Brett und Schwamm. Bild 7 Dieser Putz stellt, aus meiner Sicht, keinen historischen Putz dar und sollte in seiner Gesamtheit erneuert werden.


Zusammenfassung

Der vorhandene Putz ist zu einem großen Teil ( 70%) beschädigt und erfüllt seine Aufgabe in keiner Weise. Der hohe Kostenaufwand einer Sanierung, Gerüstkosten, Absperrung oder sogar die teilweise Schließung der Anlage machen es erforderlich eine langfristige Erneuerung vorzunehmen. Es wird empfohlen die untersuchten Fassadenflächen zu erneuern. Um auch in der Zukunft den Einblick in historische Putztechniken zu gewährleisten, empfehle ich ausgewiesene Kleinflächen zu erhalten.


Neben den angebotenen Werkmörteln ist eine gute Alternative der Sumpfkalkmörtel der Firma: BCS * An der Schleife 4 * 01099 Dresden Mit einer entsprechenden Rezeptur (Korngröße, hydraulische Bindemittel) lassen sich adäquate Putze herstellen.


Literatur

Bildrecherchen:

Mörteluntersuchungen Putzprobe WE_M1 u. WE_M2

Mörteluntersuchungen