Lehmputz

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Der Begriff Lehmputz bezeichnet einen Mörtel aus Lehm, der als Putz für Gebäudeflächen im Innen- und Außenbereich dient. Die Verwendung von Lehmputz zählt zu den ältesten Bautechniken der Menschheit, da der Baustoff weit verbreitet, leicht verfügbar und einfach zu verarbeiten ist.

Als natürlicher Baustoff mit günstigen Eigenschaften ist der Lehmputz seit Ende des 20. Jahrhunderts verstärkt in das Zentrum der Aufmerksamkeit von Bauherren, Architekten und Innenausstattern geraten. Der Einsatz von Lehmputzen bei der Gestaltung von Innenräumen und Außenwänden erzeugt durch spezielle Anwendungsformen eine dekorative Wirkung, so etwa als farbiger Dekorputz.

Arten

Lehmputze können nach ihrer Schichtstärke, nach ihrer Verarbeitung, nach dem Werkzeug, mit dem sie aufgebracht werden, oder nach ihrem Einsatzbereich unterschieden werden.

  • Tonputz Schichtstärke zwischen 1 und 30mm. Kann händisch oder maschinell bearbeitet werden. Durch sehr cremige Konsistenz ist die Verarbeitung ähnlich dem Gipsputz. Einziger Lehmputz, der als Einlagenputz verarbeitbar ist.
  • Beim Einlagenputz beträgt die Schichtstärke zwischen 7 und 10 mm, der Putz wird mit Putzmaschine oder Hand aufgetragen und mit Stuckateurwerkzeugen wie dem Reibebrett oder Kartätsche verzogen. Einsatzgebiete sind Vollputz und Tonputz.
  • Der Grundputz dient als Unterputz und wird 5 bis 35 mm dick aufgetragen, Regelstärke ist etwa 12 – 15 mm. Auch Grundputz ist maschinengängig, er kann also vor dem Verziehen mit einer Putzmaschine aufgetragen werden. Bei der Verwendung von Containerware ist auch der Einsatz von Silomischpumpen möglich.
  • Mit der Hand angebracht wird der Spachtelputz in Schichtstärken von 1 bis 2 mm. Er ist ein Dekorputz. Zum Auftrag wird ein so genannter „Venezianischer Glätter“ verwendet, eine spezielle, leicht konisch geformte Kelle mit abgerundeten Ecken oder eine Japankelle. Dekorputze können farbig sein, rein weiß oder dunkel grau, mit oder ohne Zuschlagstoffe, die ästhetische Effekte hervorrufen.
  • Streichputz ist ein Dekorputz, kann weiß, farbig oder sogar dunkel grau sein und wird in einer nur 0,1 mm dünnen Schicht mit der Lasurbürste aufgetragen. Häufig werden dem Dekorputz Stroh, Pflanzenfasern oder Steine beigemischt, die nach dem Freiwischen optische Akzente setzen.
  • Mineralputz ist eine besondere Rezeptur aus Lehm und besonderen Sanden mit einer guten Festigkeit auch ohne pflanzliche Zuschlagstoffe wie z.B. Strohhäcksel. Er ist maschinengängig und silofähig. Die Verarbeitungszeiten sind kürzer als bei Lehmputzen mit pflanzlichen Zuschlagstoffen. Er eignet sich als Grund- und Deckputz. Er kann von Putzern ohne besondere Lehmerfahrung aufgebracht werden. Die Oberfläche kann naturbelassen bleiben, gestrichen oder tapeziert werden.

Bestandteile

Lehmputz besteht aus Ton, und (Feinstsande). Zur Verstärkung kann der Lehmputz auch Fasern enthalten. Er trocknet nur durch Verdunstung von Wasser und haftet allein durch mechanische Verkrallung am Untergrund. Die Tonbestandteile wirken dabei als Verbund beziehungsweise als „Klebstoff“. Daneben bestimmen verschiedene Zuschläge den Einsatz des Putzes wie etwa die Beigabe von Farbpigmenten in Dekorputzen.

Bautechnische Eigenschaften

Lehmputz ist wasserlöslich. Hinsichtlich seiner Einsatzbereiche als Baustoff vor allem im Außenbereich ist er damit in niederschlagsreichen Regionen Einschränkungen unterworfen. In Innenräumen dagegen besitzt der Lehm viele Vorteile gegenüber konventionellem, zementgebundenem Putzmörtel. Haltbarkeit und Wertbeständigkeit bei Innenputzen sind keine Frage dessen, ob das Material wasserlöslich ist oder nicht. Vielmehr müssen dünnschichtige Putzsysteme hart austrocknen, um ein „Absanden“ zu vermeiden. Lehmputz trocknet nur durch die Verdunstung von Wasser. Die hohe Bindekraft des Lehms, welche er als Rohstoff bereits aufweist, kann zusätzlich durch die Beigabe von Pflanzenstärke verbessert werden. Wie bei anderen Baustoffen (beispielsweise Kalk- oder Gipsmörtel, Beton) sorgt eine ausgewogene Sieblinie für eine widerstandsfähige, harte Oberfläche von hoher Festigkeit. Bei geeigneter Verarbeitung ist der Einsatz von Lehmputz selbst in Badezimmern außerhalb des Spritzwasserbereiches möglich.

Einfluss auf das Raumklima

Grundsätzlich wirken sich alle Wandbeschichtungen auf das Raumklima aus: diffusionsoffene, also „durchlässige“ Beschichtungen (auch diffusionsoffene Baustoffe genannt) ermöglichen es, dass dahinter liegende Wandschichten Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. In Verbindung mit der Eigenschaft des Lehmputzes, sehr viel Feuchtigkeit aufzunehmen (bis zu neun mal mehr als Gips) bildet sich ein Klimapuffer an der Wand, der Feuchte aufnimmt und sie bei Bedarf wieder abgibt. Lehmputze stehen mit diesen Eigenschaften im Gegensatz zu sogenannten „filmbildenden“ Oberflächen wie Dispersionsfarbe und Latexfarbe, die wenig oder keine Feuchte in dahinterliegende Schichten hindurchlassen.

Den größten Einfluss auf die Fähigkeit des Lehmputzes für die Klimapufferwirkung hat die Fläche der verputzten Wand. Die Schichtstärke des Lehms ist bei der Nutzung von Räumen hierzulande von nachrangiger Bedeutung, denn mehr als 80 % der Feuchtigkeit wird zunächst in den oberen zwei Millimetern der Lehmwand gebunden. Lediglich 10 mm sind bei „normalem Wohnverhalten“ für die „Klimapuffer-Wirkung“ relevant, da die Reaktionsfähigkeit starker Putzlagen (> 2 mm) zu träge ist, um auf die ständig wechselnde Raumluftfeuchte reagieren zu können.


Literatur

  • Gernot Minke: Lehmbau Handbuch. Der Baustoff Lehm und seine Anwendung. Ökobuch-Verlag, Staufen bei Freiburg 1994, ISBN 3-922964-56-7.
  • Peter Pauli, Dietrich Moldan: Reduzierung hochfrequenter Strahlung. Baustoffe und Abschirmmaterialien. 2. komplett überarbeitete und deutlich erweiterte Auflage. Eigenverlag, Iphofen 2003.
  • Wolfgang Lenze: Fachwerkhäuser, restaurieren – sanieren – modernisieren. Materialien und Verfahren für eine dauerhafte Instandsetzung. 3. erweiterte Auflage. Frauenhofer-IRB-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8167-6431-2.
  • Ulrich Röhlen, Franz Volhard: Lehmbau Regeln. Begriffe - Baustoffe - Bauteile. 3. überarbeitete Auflage. Verlag Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0189-0, (Praxis).
  • Ulrich Röhlen, Christof Ziegert: Lehmbau Praxis. 1. Auflage. Verlag Bauwerk, Berlin März 2009, ISBN 978-3-89932-125-8.

Weblinks