Mit feinem Stuck und Rosettenfries

Weil der Brand Reutlingen fast ruiniert hatte, blieb nur die kleine Lösung. So konnte das bisherige Privathaus in keiner Weise einem Vergleich mit dem bisherigen Renaissance-Rathaus standhalten und wurde den "ärmlichen Umständ" entsprechend für die Verwaltung hergerichtet.
 
Auch heute wird das Gebäude sparsam saniert, wohl aber mit anderen Maßstäben. Die geschwungene Holztreppe, die einst unter den Schritten des Oberamtmanns knarrte, ist zwar gut erhalten, muss aber aus Sicherheitsgründen ein höheres Geländer erhalten. Wo früher der Stadtdiener wohnte, um winters einzuheizen, laufen nun neue Heizrohre und EDV-Kabelstränge an eigens konstruierten Trägern. So hat man vermieden, zu sehr ins historische Gemäuer einzugreifen.
 
Die Zeit, als man nebenan "zur Not auch zwei Pferde" einstellen konnte, ist längst vorbei. Und auch die Rathausstraße ist ansehnlicher, als sie Oberamtmann Friedrich August Sattler einst beschrieben hat. Den hatte der Landesfürst geschickt, als Reutlingen die Reichsstadtherrlichkeit verlor. Ein mächtiger Mann, dem nur ein schlichtes Haus zur Verfügung stand. Er beschwerte sich über das "enge, nur zur Hälfte gepflasterte, vom niedrigsten Pöbel bewohnte Nebengässlein, durch welches ein Bächlein fließt, in welchem Gänse sich aufhalten, die den ganzen Tag über ein betäubendes Geschrei erheben, und dass in der Nachbarschaft zwei Scheunen mit Schafen gefüllt sind, die auch nicht schweigen".
 
Bis 1872 wurde das Gebäude als Rathaus genutzt, danach ging es an die Höhere Töchterschule. Auch für diesen Zweck scheint das Haus etwas klein gewesen zu sein, denn die anwesenden Schüler konnten nur dann einen Sitzplatz bekommen, wie ein Lehrer 1890 berichtete, wenn "etliche andere wegen Krankheit fehlten". Später wurde es wieder von der Stadt genutzt, 1969 residierten darin der Kunstverein und das Forum Zweite Lebenshälfte.
 
Nach dem Umbau sollen nun das Amt für Schule und das Referat für Migrationsfragen untergebracht werden. Das Schulamt, das derzeit auch im Hamburg-Mannheimer-Gebäude ist, kann damit wieder zusammengefasst werden.
 
Dass der Umbau nicht wie geplant im Dezember 2007 abgeschlossen wurde, lag an den statischen Mängeln, die man erst später entdeckte. Ebenso hatte das Regierungspräsidium eine bauhistorische Aufnahme des Gebäudes gefordert. Nun soll alles bis Juni fertig sein, so Jörg Viehl vom Amt für Gebäudemanagement. Die Mehrkosten hat man noch nicht abschließend ermittelt. Bislang waren für die Sanierung 410 000 Euro veranschlagt. 25 Prozent sind für die EDV-Anlagen.
 
Entdeckt hat man bei den Arbeiten nicht nur Brandspuren unterm Dach, es kam auch schöner Stuck an den Zimmerdecken zum Vorschein, der mit dicken Farbschichten zugekleistert war. Er wurde nun freigelegt und "von Hand ausgebessert", so Stukkateurmeister Gaetano Chisari. Ein Restaurator nimmt sich der Deckenfriese mit den Rosetten an, die im zweiten Geschoss zum Vorschein kamen. Ob der Raum die Privatzimmer der Hausdame waren, kann man nicht mehr feststellen. "Zumindest ist es eine schöne Arbeit", so Chisari. "In Reutlingen ist so was selten."

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