Verhindern, dass die Decke auf den Kopf fällt. Stuck

Altenmarkt. Ein Bauvorhaben von kunsthistorisch bedeutsamem Ausmaß steht heuer im Kloster Damenstift an: Das Lehrerzimmer ziert eine ornamentreiche Stuckdecke aus dem beginnenden 18. Jahrhundert. Im Zuge dringender Renovierungsarbeiten traten an dem Deckengewölbe bereits vor dreieinhalb Jahren künstlerisch aufwändige Stuckaturen zum Vorschein, ebenso Überreste von Fresken, deren Motive sich allerdings nur noch erahnen lassen. Nach eingehender fachlicher Begutachtung der etwa 60 Quadratmeter umfassenden, kunstvoll gestalteten Decke und Forcierung sämtlicher Fördermittel sollen die Restaurierungsarbeiten in wenigen Wochen beginnen.

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Stuckateur aus Italien hat Raum gestaltet

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Insgesamt zählt das Kloster 33 Stuckdecken, deren Erhalt in den kommenden Jahren gesichert werden muss. »Allerdings ist die Wiederinstandsetzung der Decke im Lehrerzimmer am dringlichsten«, drängt Kreisheimatpfleger Georg Loibl. Er datiert die Entstehung des Gewölbes auf 1708 bis 1710. Als Stuckateur macht Loibl einen Italiener aus. »Wegen der Ausgestaltung des Passauer Doms hatten sich zahlreiche italienische Handwerker in der Region angesiedelt. « Dass die Prämonstratenser-Chorherren, die vor 300 Jahren im Stift in Altenmarkt lebten, einen dieser Südländer zur Ausstattung ihres Klosters beauftragt hatten, kann sich der Kreisheimatpfleger gut vorstellen.
Bei der Stuckdecke im Südflügel des Klosters sei »Gefahr im Verzug«, betont Georg Loibl. Wird sie nicht umgehend instand gesetzt, droht das ganze Gewölbe herunter zu krachen. Lediglich 15 Schichten Tünche, die in der Vergangenheit immer wieder aufgetragen worden war, hätten die Stuckatur vor dem Einsturz bewahrt. Bei der Freilegung der Ornamente seien jedoch breite Risse zu Tage getreten, die den Erhalt des Deckendekors massiv gefährdeten.

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Stahlspange hält Wände zusammen

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Erste wichtige Maßnahmen wurden bereits im Jahr 2003 getroffen. Weil die Außenmauern am Südflügel des Klosters - wohl auf Grund der großen Last des Dachstuhls wurde der Mauerkranz gelockert - über die Jahrhunderte nach außen weggekippt waren, wurden dicke Stahlspangen am Gebäude angebracht, die die Wände jetzt zusammenhalten. »Das Landratsamt hat damals ohne viel Aufhebens die Initiative ergriffen und umgehend die Sicherung der Stuckdecke eingeleitet«, lobt Georg Loibl: »Schließlich gibt es im gesamten Landkreis kein zweites Baudenkmal mit annähernd dieser Deckenstuckatur. «
Insgesamt zieren das Gewölbe vier kleine und zwei große so genannte »Spiegel« im Vierpass-Format; das sind von Stuck umrahmte, schildartige Flächen in Form von vier ineinander greifenden Kreisen, meist mit Bildmotiven, Wappen oder Initialen bemalt. Die Stuckeinfassung wiederum ist umgeben von Akanthus-Dekor, einer Nachbildung des mediterranen Doldengewächses Bärenklau. Ebenso der mittige Rundbogen, der die Decke in zwei identische Flächen teilt, sowie die beiden raumbegrenzenden Viertelbögen.
Erster Schritt der Restaurierungsmaßnahme wird laut Kreisheimatpfleger Loibl die Festigung der Mauerkrone und Überarbeitung des Dachstuhls sein. »Anschließend werden die Deckenrisse stabilisiert, indem Spezialmörtel per Injektion in die Fugen gespritzt wird«, erklärt der Experte.
Natürlich geht das Vorhaben mit immensen Kosten einher. Als Minimum schätzt Georg Loibl 20 000 Euro für die Instandsetzung der Decke - eine satte Summe, bei der jedoch der Entschädigungsfonds des Kultusministeriums, das Landesamt für Denkmalpflege, der Landkreis und die Stadt Osterhofen dem Kloster als Eigentümer bereitwillig unter die Arme greifen. »Alleine hätten wir das Geld unmöglich aufbringen können«, sagt Oberin Schwester Adeltrudis Rieger. »Ganz schön froh« sei sie, auf die öffentliche Förderung bauen und damit die Eigenbeteiligung deutlich verringern zu können, gibt die Ordensfrau erleichtert zu: »Schließlich will auch das Kloster seine einzigartige Stuckdecke erhalten. «
Welche Restauratoren in Altenmarkt zu Werke gehen werden, steht bislang noch nicht fest. Noch im Januar wird der Auftrag ausgeschrieben. Georg Loibl hofft, dass die Arbeiten vielleicht schon im Februar starten können. Nur so viel sei gewiss: »Wir brauchen einzigartige Fachleute. Denn das wird eine ganz diffizile und fieselige Angelegenheit. « Was allein schon der logistische Ablauf der Restaurierung beweist: Loibl: »Wegen des hartnäckigen Kalkstaubs wird die Tür zum Lehrerzimmer luftdicht verschlossen. Die Handwerker gelangen somit ein bisschen ungewöhnlich an ihre Arbeit: Sie müssen über ein Baugerüst durchs Fenster klettern. «
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