Stuck

Aus Stuck-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen des Stukkateurhandwerks

Stuck

Stuck (von ital. stucco) ist die plastische Ausformung von Mörteln aller Art auf meist verputzten Wänden, Gewölben und Decken.

Seit der Antike war und ist Stuck eine wichtige Technik für die Gestaltung von Innenräumen und Fassaden.

Unter Stuck versteht man aber nicht nur die oppulenten plastischen Spielereien des Barock und Rokoko, sondern auch einfache Gesimse mit und ohne Unterkonstruktion aus Rabitz , komplette, plastische Wand-und Deckengestaltungen auch mit einfacheren Elementen und auch die seit der Jahrhundertwende in etlichen Katalogen angebotenen Fertigstuckteile, welche in Gießformen in Serie hergestellt werden.

Eine besondere Blüte erfuhr das Handwerk des Stuckierens im Barock und dessen Vollendung, dem Rokoko, für deren schwungvolle und verspielte Dekorationselemente die Technik des Stuckierens ideal geeignet war. Während zu dieser Zeit zunächst italienische Stuckateure in ganz Europa für hochwertige Stuckaturen sorgten, entwickelten sich alsbald vor allem im süddeutschen Raum die Stuckateure der Wessobrunner Schule zu den bedeutendsten Vertretern dieser Kunst.

Im Barock wurde auch häufig der Stuckmarmor zur Gestaltung eingesetzt, eine aufwändige Methode zur Nachahmung von Marmor, die zwar teurer als Marmor selbst war, aber sowohl größere einheitlich gefärbte Werkstücke als auch besonders dramatische künstlerische Effekte der Färbung ermöglichte.

Im Deutschland der 1950er und 1960er Jahre verlor dekorativer Stuck massiv an Bedeutung und wurde vielfach als störend wahrgenommen, da er nicht mit den modernen Architekturvorstellungen korrespondierte. Aus diesem Grund wurde der Stuck von vielen Altbauten entfernt, was im Fachjargon Fassadenverödung oder Entstuckung genannt wird.

Standards für das Putz- und Stuckhandwerk sind heute in der VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) DIN 18350 Putz- und Stuckarbeiten geregelt.

Seit einiger Zeit erfreuen sich kleb- und überstreichbare Stuckimitationselemente aus Kunststoff wachsender Beliebtheit. Im Gegensatz zu echtem Stuck sind diese allerdings brennbar und verändern bei Temperaturschwankungen ihre Form.

nach oben

Stuck-Techniken

| Rabitz | Gipsglättputz | Weißstuckputz | Hartstuckputz | Stuckmarmor | Stuck Montage |

nach oben

Stuck-Geschichte

Stuck gibt es bereits seit dem Altertum. Verwendet wurde hierfür nicht nur Gips oder ein Gemisch aus Gips, Kalk und Sand, auch Mörtel aus Kalk und Sand wurde zum Stuckkieren verarbeitet. Im Altertum und der Antike fand im Nahen Osten, in Nordafrika und in Ägypten vorwiegend Gips Verwendung. Beispiele reichen bis ins 7. Jahrtausend v. Chr. zurück. In der minoischen Kultur auf Kreta wurde dagegen seit dem 16. Jh. v. Chr. Kalkmörtel benutzt.

Aus spärlichen Resten ist heute bekannt, daß die griechischen Tempel nicht nur ausgemalt, sondern auch stuckiert waren. Die Römer eigneten sich mit vielem Anderem aus der griechischem Kultur auch den Stuck an. Ein anderer Einfluss für den römischen Stuck reicht von dem vorrömischen, latinischen Volk der Etrusker herüber, deren Stuckkunst in ihren unterirdischen Kammergräbern nachvollzogen werden kann. Durch die Römer wurde die Kalkmörtel-Technik weit verbreitet. In nachrömischer Zeit fand der Kalkstuck in Byzanz weiter Verwendung, was in begrenztem Rahmen auf Mitteleuropa ausstrahlte. Zwischen dem 8./9. Jh. und dem 16. Jh. gibt es in Italien, Spanien, Frankreich, der Schweiz und Deutschland bei figürlichem und dekorativem Stuck aus Gips eine hochentwickelte Technik.

Christliche Weiterführungen in der Tradition des Stuckierens finden sich in Ravenna in der Neonianischen Taufkapelle (5.Jahrhundert), in Cividale in der Kirche S.Maria in Valle (8.Jahrhundert), sowie - vermittelt durch die das Christentum verbreitenden römischen Besatzungstruppen - auch nördlich der Alpen in Gernrode in St. Cyriakus (10.Jahrhundert).

nach oben

Erster möglicher Nachweis von Stuck:

Südanatolien (um 6500 vor Christus) entdeckt in Çatal Hüyük.

Çatal Hüyük oder Çatal Höyük

nach oben

Literatur

  • Paul Binder, Fritz Schaumann, Dipl.-Ing. Meinrad Haas, Karl Läpple: "Stukkateur Handbuch - Die Gipserfibel" , edition "libri rari" im Verlag Th. Schäfer, Hannover, 5. Auflage 1996, S.9 und 115-144u, ISBN 3-88746-087-1
  • Karl Lade/Adolf Winkler "Putz-Stuck-Rabitz - Ein Handbuch für das Gewerbe" , Julius Hoffmann Verlag Stuttgart, 3. Auflage, 1936
  • Rainer Franz/Eugen Schwarz/Markus Weißert "Kommentar ATV DIN 18350 und 18299 - Putz und Stuckarbeiten" , Vieweg Verlag, 11. Auflage, 2006


Lexikon der Putz- und Stucktechnik

      Das Lexikon ist ein umfassendes Nachschlagewerk und Kompendium für die gesamte Thematik und Kompendium für die gesamte Thematik der Putz- und Stucktechnik. In kompakter Form werden die wichtigsten Begriffe, Aspekte und Themen behandelt. Dabei werden Baustoff- und Materialkenntnisse, bauchemische und -physikalische Grundlagen genauso vermittelt wie Putz- und Stuckarten, -verarbeitung und -techniken bei Neubau und Altbausanierung. Moderne Werkstoffe und Verfahren werden beschrieben, aber auch alte Handwerkstechniken und Materialien vorgestellt. Dieses Lexikon richtet sich daher nicht nur an Handwerker aus dem Maler- und Stukkateurgewerbe, sondern auch an Bautenschützer und Baugeschäfte sowie in gleicher Weise an Architekten und Planer, an Gutachter und Sachverständige. Durch eine leicht verständliche und praxisbezogene Beschreibung und eine Vielzahl erläuternder Abbildungen ist es als Nachschlagewerk für die Berufsaus- und -weiterbildung genauso geeignet wie für Behörden und Ämter.

Der Stukkateur und Gipser

      Dieses Buch ist ein Reprint der Originalfassung von 1914. Die gesamte praktische Gipsverarbeitung einschließlich der Arbeitsmethoden des Modellierens und Punktierens sowie die Behandlung der Verschiedenen Materialien und Mörtel. Nebst einem Überblick über Stil und Kunst aller Zeiten und einem Anhang brauchbarere praktischer Vorschriften. Mit 125 Textabbildungen und 20 ganzseitigen Tafeln.

Dieses Buch ist eine umfassende, leichtverständliche Quelle für alle diejenigen, die dieses Kunsthandwerk "von der Picke auf" in den Griff bekommen wollen und es ablehnen, sich von undefinierbaren Industrieerzeugnissen abhängig zu machen. Eine Fundgrube für schon Geschulte und ein guter und fundierter Einstieg für Anfänger. Sehr empfehlenswert!


...zurück zur Hauptseite